Stimmen & Stimmentfaltung – der authentische Ausdruck der eigenen Stimme in der Bewegungs- und Tanztherapie

Die Stimme als Möglichkeit zu ganzheitlichem Kontakt:
Die menschliche Stimme ermöglicht die unterschiedlichsten Lautäusserungen wie Schreien, Lachen, Weinen und die sprachliche Artikulation. Bereits in den ersten Lebenswochen der menschlichen Entwicklung bildet sich der stimmliche Ausdruck. Babys nutzen Laute, wenn sie sich wohl fühlen oder, wenn ihre Bedürfnisse nach Nähe, Sicherheit, Nahrung oder Schlaf nicht oder nicht ausreichend erfüllt werden. Die Stimme ist bereits sehr früh Mittel zum Ausdruck unserer Bedürfnisse. Bei Nichterfüllung der überlebenswichtigen Bedürfnisse, fühlt sich das Baby in einer persönlichen Notlage und nutzt die Stimme, um sich mitzuteilen: von anfänglichem Weinen bis hin zum Protest, dem Schreien. Bei einem nicht oder weniger adäquaten Umfeld, welches über einen längere Dauer die Bedürfnisse des Kindes nicht wahrnehmen kann oder ignoriert, verstummt das Kind. Die Folgen sind Resignation und gleichzeitig Anpassung an seine Umgebung.

Die Stimme ist unmittelbar verbunden mit unserem Vegetativen Nervensystem (VNS). Der sogenannte Vagusnerv ist der Hauptnerv des parasympathischen System, unseres VNS, welches für die unbewussten Abläufe in unserem menschlichen Körper zuständig ist.

Wir Menschen lernen früh, uns an die gegebene Umwelt anzupassen. Frühe Anpassungen an eine nicht adäquate Umwelt formen in unserer Entwicklung zum Erwachsenen die sogenannten Überlebensstrategien. Das Neuroaffektive Beziehungsmodell, NARM, wurde von Ph.D. Laurence Heller entwickelt und befasst sich mit Hilfe von Achtsamkeit und einer ganzheitlichen, körper- und beziehungsorientierten Haltung mit der Auflösung dieser Überlebensstrategien.

Eine achtsame Verkörperung des persönlichen Stimmpotentials – über Haltung, Atem- und Körperwahrnehmung, Klang und Resonanz kann dazu führen, die eigene Stimme authentischer zu erleben, zum in Kontakt kommen mit sich selbst und des ganzheitlichen Ausdruck.

Die Stimme braucht bewussten Raum, durch den Körper als Resonanzinstrument, Raum durch Wahrnehmung der persönlichen Kinesphäre (Schutzraum) und einen bewussten Raum, in dem sich Mensch wohl fühlen kann.

Unsere menschliche Stimme ist demnach ein Teil innerer Stimmung – wie gestimmt bin ich heute? Für mich steht die Stimme in direkter Verbindung mit der Verkörperung. Wenn die Stimme sich im Raum entfalten darf, kann sich auch emotionaler Ausdruck zeigen – kreatives experimentieren kann unterstützen, hörbarer und stärker mit sich in Kontakt zu kommen.

„Hör auf die Stimme, hör was sie sagt…“, erinnern Sie sich? Mark Forster hatte die sog. innere Stimme als hilfreicher Wegweiser thematisiert? Ein weiterer Aspekt der Stimme. Für mich als Bewegungs- und Tanztherapeutin kann die Stimme auf etwas weiteres hinweisen. Sie kann spiegeln, welche inneren Kritiker gerade aktiv zu sein scheinen und welche Glaubenssätze dahinter stehen.

Die Stimme kann als auch Einstieg zum Explorieren und Verkörpern innerer Kritiker sein.

Bei der Arbeit mit unterstützenden inneren Protagonisten kann das Einladen und Erforschen der Stimme das Potential des Erlaubers/der Erlauberin verstärken und ganzheitlich integriert werden.

Selbstentfaltung und Körperausdruck schafft Potential, die Stimme bringt Farbe und Klang in das, was neu ist und integriert werden will. Sie ist unmittelbar und unverfälscht wie Mimik und Gestik, so wie der Körper selbst.

Ziel:
Die Arbeit mit der Stimme fördert den authentischen Ausdruck, stärkt das Selbstvertrauen und unterstützt emotionale Integration. Wer seine Stimme wieder findet, findet oft auch neue Klarheit und Präsenz in Kontakt mit sich selbst und mit seiner Umwelt.

Übung: 

Such Dir einen Platz im Raum, an dem es Dir wohl ist. Nimm wahr, was dir im Moment ein Gefühl von dem gibt, das Du gerade brauchst, dir wichtig ist, um dich wohl und sicher zu fühlen: z.B. eine Wand im Rücken, die Sonne im Gesicht….

Spürst Du den Kontakt Deines Körpers zum Boden? Wie die Schwerkraft nach unter sinkt, und sich nach und nach über die Füsse eine Verbindung zum Boden aufbaut. Du fühlst Dich auf Deine Weise vom Boden getragen. Wenn Du magst, bleibe mit Deiner Aufmerksamkeit noch eine Weile dort. Falls Du bemerkst, dass Gedanken die Aufmerksamkeit unterbrechen. Versuche liebevoll mit Dir umzugehen und Dir zu sagen, dass Dein Gehirn jetzt etwas pausieren darf. Das ist u.a. die Aufgabe des Gehirns zu denken, doch jetzt stoppst Du die Gedanken an später oder an die Vergangenheit. Du möchtest im gegenwärtigen Moment sein. Hier kannst Du wahrnehmen.

Geh in Deinem Tempo weiter zum Rhythmus Deines Atems. Nimm wahr, wo der sauerstoffgeladene Atem einfliesst und wo der in hauptsächlich stickstoff-gewandelte Atem wieder Deinen Körper verlässt. Bleiben einen Moment in dieser Verbindung, wenn das so für dich stimmt. Wenn es für Dich angenehm ist, nimm Deine Hand oder beide Hände und ertaste die Bewegungen des Atems: auf der Brust, an den Rippen rechts und links, auf dem Bauch, evtl. am unteren Rücken. Die Wahrnehmung ist sehr individuell. Nimm Deinen persönlichen Atemraum wahr – ein Bereich der sich wie von selbst bewegt, ohne, dass Du etwas tun musst.

Du kannst hier stoppen und wahrnehmen, ob Du innerlich anders gestimmt bist, z.B. wo im Körper Du Dich gerade wohl fühlst…

Oder Du kannst mit der nächsten Einatmung Deine Arme über den Kopf geben und mit der Ausatmung die Arme und Dein Oberkörper zum Boden hin aushängen lassen, wieder den Körper langsam, Wirbel für Wirbel aufrichten und einatmen und dann nochmals ausatmen und die Arme mit dem Oberkörper und Kopf nach unten führen und hängen lassen. Bei der nächsten Wiederholung kannst Du Einatmen wie vorhin und bei Ausatmen kraftig Gähnen und den Laut „waho“ ausstossen – nimm Dir Raum, Dich zu Räkeln und auszudehnen, ganz wie es Dir gefällt. Das Dehnen mit Bewegungen verbinden und Laute dazu finden: „wa“, „scha“, „tscha“,“sch“,“fff“, „ttt“….. Bleiben so lange dabei wie Du willst.

Diese Übung kannst Du variieren mit Summen, Halt, Stopp, Gut, das ist ok, mir ist wohl, so wie ich bin, in meinen Gedanken, in meinen Gefühlen und in meinem Tun…………………

Herzliche Grüsse

Deine Diane Nierop-Gutekunst

 

Hello world!

Welcome to WordPress. This is your first post. Edit or delete it, then start writing!

Mehr lesen
© 2025 nieropgutekunst.ch